Dienstag, 24. Januar 2017

Winter: Schokoladeneis

Dieser Post ist quick and Dirty :) ich will morgen an meinem Geburtstag einen neuen frischen Zettel haben! muahahahha. 

Auf meinem Zettel stand vor mehr als einer Woche das Wort Schokoladeneis. In Kombination mit einem wirklich nervigem Tag gab es nur eine Lösung! Nicht nach Hause gehen, nicht durch die Stadt hetzen, auf der Suche nach etwas Perfektem, sondern ein ganz solides Eis im Einkaufcenter Eiscafé! Und der Tag war wirklich sooooo nervig, dass mein Hirn sich anfühlte, als wäre mein Kopf offen und jemand wirft Wartebäusche rein! Also brauchte ich nicht nur eine Kugel Eis um die Mission abzuschließen, sondern um 19:30 einen Eisbecher. Fühlte sich auch ziemlich exklusiv an, weil um die Uhrzeit, kurz vor Ladenschluss in Marzahn niemand das gleiche Ziel hat!

Bringt nur leider alles nichts, wenn man vor lauter Watte/ Sägemehl / Doofheot  einen Riesenkiwieisbecher ordert. Den wegatmet und dann kurz vorm platzen merkt, dass das Ganze nicht mal annähernd etwas mit Schoko zu tun hat !

Manche Tage sind dann halt einfach so. Ich hab Sonntag dann einfach einen kalten Spaziergang gemacht und Voila! 

Mission completed !


Sonntag, 15. Januar 2017

Winter: Frühlingsblume

Im Winter blühen keine Frühlingsblumen. Die Schneeglöcklichen schlafen noch so tief, dass nicht mal ich sie wecken könnte. Genauso geht man unter der Woche nicht länger aus, wie die letzte Bahn fährt. Daran halte ich mich gewissenhaft. Normalerweise.

Doch die Ratlosigkeit meiner Aufgabe gegenüber, ließ eine Fährte der Spontanität in mir erblühen, die mich an einem Donnerstagabend an einem Ort führte, den ich schon seit Ewigkeiten nicht besucht hatte.

Der Ort, an dem Zeit und Raum keine Rolle spielen. Der Ort in mir, wo man mit jeder Idee verschmilzt, die gerade umherschwirrt. Ein Zustand, in dem Morgen, der Heimweg, das Budget egal sind. Sorglosigkeit. Ein paar Stunden Freiheit, ohne nachzudenken oder zu planen. Mir ist oft nicht bewusst, wie sehr ich im jetzt über später nachdenke. Das geht beim pünktlich zu Bett gehen los und hört bei tausend anderen Dingen auf. Erwachsenwerden. Erwachsensein. Doch nicht an diesem Donnerstag.

Mein Frühlingsblumen-Donnerstag sollte einem konkretem Plan folgen. Pünktlich Feierabend. Ein Glas Wein mit Valentina und Kati. Pünktlich in eine Ausstellung, in der ich auf irgendwelchen Gemälden von Caspar David Friedrich und Van Gogh Blumen suchen wollte.

Doch irgendwas hielt mich auf. Beziehungsweise nicht. Nach diversen Gläsern Wein mit einer immer größer werdenden Gruppe verstrich meine Abfahrtzeit. Viel zu spät und mit glühenden Wangen torkelten wir aus dem Büro zur S Bahn. Den Museumsplan war geknickt, ich wollte aber nicht mit leeren Händen nach Hause kommen.
Und dann regte sich dieser Ort in mir, der nicht an Morgen denkt und sagte einfach JA, als meine polnischen Fährtenführer Iga und Kati noch irgendwo hin zu irgendso einer Show wollten. Lass mal noch irgendwas machen, lass mal nicht nach Hause fahren. An diesem Punkt der Geschichte befinde ich mich, aufgrund der ausreichenden Alkoholvorräte, nach der Arbeit öfter mal. Ich geh dann nach Hause. Weil ich genug habe und der nächste Tag schon ruft, obwohl der aktuelle noch lebt.

An diesem Abend landete ich nicht zu Hause, sondern irgendwo am Mehringdamm an einem Ort, von dem ich nicht mehr weiß, wie er hieß. Dort angekommen war klar, dass ich hier keine Frühlingsblumen finden werde. Dafür aber jede Menge Dinge zwischen Verwunderung, Verstörung, Entzücken und Aufregung. Da waren Burlesque Tänzerinnen, eine Prinzessin Mononoke, die sich zu unserer Verstörung auf einmal auf der Bühne nackig machte und einen verrückten Wrestling Kampf, zwischen zwei Typen. Die Stunden vergingen, zwischen wir-sagen.uns-die Zukunft-voraus, machen Fotos mit der Reiseschnecke auf der Bühne und nehmen fast an einem einem nacktem Po Wettbewerb teil.
Bis irgendwann keiner mehr da war und es langsam klar wurde, dass da draußen eine Realität wartet, die etwas von uns will: Jacke finden, Schlüssel suchen, nach Hause gehen.

Also auf zu den letzten U Bahnen. Unterwegs lernten wir gefühlt noch alle anderen Menschen kennen, die um diese Uhrzeit mitten in der Nacht, mitten in der Woche unterwegs waren. Durch einen verrückten Knick im Universum kennen sich dann immer alle. Als würde die Nacht alle verbinden, die einen Schwips haben.
Und die Welt wird kleiner. Die verrückten Russen, die uns beim Rausgehen erfolglos angebaggert haben, traf ich in der U Bahn wieder. Wieder erfolglos.

Irgendwann schlug dann doch meine Orientierungslosgkeit zu und ich hatte keine Ahnung, auf welcher Seite von der Ringbahn ich war und wo ich hinmusste. Die Bekanntschaft mit einem Obdachlosen namens Kai brachte mich dann aber doch noch zum Ostkreuz, was von der Richtung stimmte, wo ich aber nicht hin musste. Der Nachtbus wäre erst eine Station weiter gefahren. meine Odyssee zog sich dann noch ein wenig wie kalter Zigarettenrauch. Fußmarsch durch den Schneematsch, warten und Nachtbusse suchen. Irgendwann, sehr spät und sehr glücklich, war ich dann zu Hause.

An diesem Abend bin ich mitgezogen, weil ich die umwerfenste Frühlingblume finden wollte. Und ich wusste, ich muss dafür an einen Ort, der nicht meine Wohnung ist. Habe ich aber trotzdem nicht. Aber auf der Suche danach, habe ich aber einen Haufen Brüste gesehen, großartige wein-benebelte Gespräche geführt und die Unverwundbarkeit der Nacht gespürt, die sich anfühlt, als würde alles auf der Welt möglich sein, und die ich zum ersten Mal während meines Studiums, nach dem Umzug nach Berlin gespürt habe..
Damals, als das große Leben und die Unabhängigkeit begonnen haben und solche Nächte keinen Preis hatten. Diese hat mich den ganzen freien Freitag gekostet, aber das war es wert.
Manchmal ist es dann insgesamt doch besser einen Kater zu haben, als pünktlich im Bett zu sein.

Ich geh dann jetzt mal einen Strauß Tulpen kaufen.

Dienstag, 10. Januar 2017

Winter: Schneeball

Der Klassiker unter den Zetteln des Winters. Der gute alte Schneeball! Als Kind gab es keine Mittagspause ohne Schneeballschlacht, auch wenn es laut Lehrern wohl ein sehr, sehr gefährliches Unterfangen zu sein schien. Meine Ami und ich haben uns mal die Deluxversion gegönnt. Mit dem Snowblaster vom Altbau-Friedrichshain Balkon Schneebälle auf die Straße schießen. Unzählige Erinnerungen von Wintern in Thüringen, in denen wir nachts, mehr oder minder betrunken von Kirschschnaps, auf unberührte Schneefelder tapsten und frische Schneebälle in die dunkle, kalte Nacht warfen. Zur Stadt zurückkehrten und eine Riesenschneeballkugel dann die Kirchtreppe hinunterrollen ließen. 

Und immer wieder der ununterdrückbare Reflex wenn der erste Schnee fällt: Einfach hinauszurennen, eine dicke fette Schneekugel zu machen und jemanden direkt ins Gesicht zu werfen. Zumindest es zu versuchen.

Ich steh also an meinem freien Montagnachmittag da und zieh mir meine dickste Jacke an, setze eine Mütze auf und stopf meine neuen Handschuh in meine Tasche. Bereit. Ich stapfe durch den Schnee und laufe und laufe und laufe um meinen Platz zu finden. Mein Schneeball wird perfekt. Ich mach ihn mit bloßen Händen damit er richtig rund und richtig fest und vielleicht sogar ein wenig etwas ganz Besonderes wird. Ich stell mich vor einen Baum, lege meine ganze Konzentration in diesen, einen Wurf. Wenn dieser Wurf gelingt, dann wird alles gut, ich hab einen Wunsch frei und ... egal :) Einfach nur werfen. Einatmen, Ausatmen und dann lasse ich meinen Schneeball frei. Er fliegt natürlich da hin wo er hin will und nicht an den Baum, weil er frei ist und weil es nun mal doch nicht immer nach mir geht. Ich überleg kurz noch einen Zweiten zu werfen, um meiner verrückten Logik folgend, doch noch einen Wunsch zu ergattern. Ich entscheid mich dann aber dagegen und hol mir lieber bei Rewe eine Kokosnuss, weil sie aussieht wie ein Schneeball und ich dann auf dem Weg nach Hause durch den Schnee eine Kokosnuss trinken kann. Verrückter Tag ;)- 

Samstag, 7. Januar 2017

Winter. Wüstenblume

Schwieriges Thema, denn eigentlich haben Pflanzen und ich so ein komisches Verhältnis. Was heißt komisch, sie sterben in meiner Nähe. Als ich in einem Millionen Lichtjahre weit entferntem Leben noch eine kleine Bänkerin war, gab es regelmäßig von mütterlichen Kollegen Topfpflanzen geschenkt. Erst wunderschöne, dann pfegeleichte. Alle sind dann entweder an Ort und Stelle oder langsam zu Hause gestorben. Bisher hat es nur mein Hibiskus mit mir ausgehalten. Meine Eltern haben mir einen Ableger gezogen und ich vermute, dass meine unglaubliche Liebe zu ihm, die konsequente Vernachlässigung wohl irgendwie kompensiert.

Es schien mir dennoch eine waghalsige Idee mir eine Pflanze zu kaufen um die Aufgabe zu erfüllen. Trotzdem stand für mich fest, dass ich es wage! An einem kalten Dienstag habe ich mich aufgemacht und bin mit dem Bus bis zum Eastgate Einkaufzentrum gefahren. Hier hoffte ich einen, meinen kleinen Kaktus zu kaufen. Dort angekommen breitete sich allerdings erstmal Ernüchterung aus. Trotz der zwei Blumenläden war die Auswahl begrenzt und irgendwie hatte ich auch kein ergriffenes Gefühl und auch nicht den Eindruck meiner Mission gerecht zu werden. Plan B musste her und ich erinnerte mich, dass eigentlich nicht weit entfernt irgendwo die Straße runter ein Hornbach Baumarkt sein müsste.  Eigentlich gibt es wirklich nicht und in der Nähe ist ein viel, viel zu kurzes Wort.

Mir war egal, dass es wirklich aus Strömen gegossen hat und, dass ich und mein Orientierungssinn eigentlich kein geeignetes Duo sind, um einen kleinen Kaktus aus dem Hornbach irgendwo da hinten zu finden geschweige denn zu befreien.

Meine Zuversicht und eine verklärte Erinnerung von Fahrten als Beifahrer mit dem Auto (Route: Zu hause - am Baumarkt vorbei - Kino aka Einkaufszentrum aka mein aktueller Standort -> geht doch schnell) ließen mich dann trotz Regen leicht euphorisch werden. Regen war jedoch in dem Fall auch ein viel zu kleines oder gemütliches Wort.

Innerhalb von 15 Minuten fühlten sich meine kleinen, ehemals warmen Fellstiefelchen an, wie ein kalter, feuchter Schuh aus Moos. Und wenn der Regen nicht so laut gewesen wäre, hätte man hören können wie es vor lauter Regenwasser in meinen Schuhe unangenehm quietschte. Eine anstrengende Mischung aus Wind und Regen umgaben mich, als ich an der Schnellstraße entlang immer weiter entlang lief und mich fühlte wie auf dem Weg zur Adoptionsbehörde: Bald würde ich zuverlässiger Ernährer und Erziehungsberechtigter für gleich zwei Pflanzen sein können. Mega!
Nach ungefähr 25 Minuten durch den Regensturm mit quietschenden, nassen Füßen und einem warmen Herzen erreicht ich dann endlich den ersehnten Baumarkt...dachte ich zumindest. Der Baumarkt war in Wirklichkeit Poco Domäne und nicht Hornbach und auch nicht da wo ich hinwollte. In meiner Erinnerung, die scheinbar nichts, aber auch gar nichts wert ist, stehen die beiden Geschäfte nebeneinander. Neben Ihnen, sagte meine Erinnerung, steht auch noch ein Mediamarkt.

Da es keine Nachrichten über ein Erdbeben gab, dass einen Mediamarkt und einen Hornbach in Marzahn verschlungen hat, bliebt nur eine kalte, tropfende Wahrheit: ich bin noch nicht da.
Und, dass zu Fuß gehen länger dauert als mit dem Auto zu fahren. Verrückte Erkenntnis.
Aufgeben hätte nichts gebracht. Irgendwo da vorne musste mein Ziel sein und irgendwie musste ich da auch lang, wenn ich jemals wieder nach Hause ins Warme wollte.
Das Moosgefühl wurde stärker in den Füßen. Die Tropfen dicker. Ich stopfte also meine Angst, in die falsche Richtung zu laufen, einfach ganz weit nach hinten und hielt mich an meine Mission.

Nach weiteren 25 Minuten gelangt ich fast an den Punkt, an dem mein Grad der Verwirrung wirklich seinen Höhepunkt erreicht. Wie kann es der richtige Weg sein, wenn ich nichts wiedererkenne, die Richtung nicht stimmt und das alles keinen Spaß macht?
Doch dann war er da und ich muss sagen, ich war noch nie so glücklich einen Baumarkt zu sehen. Ich sah ihn und war erleichtert nicht in einer Geschichte von Haruki Murakami gefangen zu sein.

Als sich die Automatiktüren öffneten und ich zielgerichtet auf die Pflanzenabteilung zu steuerte, spürte ich, dass ich jetzt ganz nah dran war. An meinem Ziel, an meinem Kaktus. Was für eine Ironie vollkommen durchnässt und tropfend vor einem Regal Kakteen zu stehen, um eine Wüstenblume zu kaufen. Doch so war es. Es gab auch hier nur eine kleine Auswahl und ich war etwas zögerlich. Irgendwie sahen die nicht so stachelig aus wie ich mir das gewünscht habe. Und die Farbe passte auch nicht so richtig. Nach zwei wunderlichen Momente bahnte sich die Erkenntniss: Das sind keine echten Pflanzen. Das ist einfach nur Plastik und tot.
Manchmal ist es egal wie weit der Weg war und egal wie sehr man sich anstrengt oder weitermacht, weil man nicht aufgeben will. Manchmal gibt es einfach kein Ziel. Nicht immer warten ein Happy und End, nur weil wir uns Mühe geben und alles versuchen. Manchmal ist das Ziel einer Reise eine Enttäuschung und es gibt nichts, dass wir tun können. Höchstens vielleicht eine kleine Sache. Sich umdrehen! Manchmal findet man dann nämlich doch noch den echten Kaktusstand und kann einen kleinen, neuen Freund mit nach Hause nehmen. Ich hab mich ziemlich reingesteigert als ich so vor den ganzen kleinen, grünen Freunden stand.
Die Entscheidung fiel leicht und so zogen wir glücklich und zufrieden unterm Regenschirm nach Hause. Das war dann wirklich nicht mehr weit.

5 Tage später und der Kaktus lebt noch :-) und ich bin immer noch ganz glücklich, dass sich die Expedition gelohnt hat.

Montag, 2. Januar 2017

10 Schlammcatchen

Jetzt wird es verwirrend. Dieses Wort stammt noch aus der BambiEpedition und wurde gezogen, aber nicht fertig erledigt. Der Zettel liegt einfach noch in meinem Schrank.

Das ursprüngliche Schlammcatchen Event fand schon vor einiger Zeit statt. In Biesdorf findet immer im Mai das Blütenfest statt. Dieses Original Biesdorf Feeling wollten Lieblingsbine und Kati-Nuss einmal hautnah erleben. Ich habe also eine große Portion Schlammbowle gemacht bevor Bine mich abgeholt hat. Die haben wir dann stilvoll getrunken und hatten einen wunderbarer Nachmittag / Abend auf dem Fest. Inklusive Nachbarn treffen, alleine auf der Tanzfläche tanzen und überteuerten unfreundlichen Sekt kaufen und ganz viel winken am Bahnhof, als die Girls sich dann zurück Richtung "Stadt" gemacht haben.

Diese Geschichte hat es damals nicht geschafft erzählt zu werden.Vielleicht damit in meinem Herzen noch Platz für eine Weitere ist.

Es ist der 31.12.2017 und obwohl ich ein absoluter Silvesterpartyfan bin, wollte ich es dieses Jahr anders. Normalerweise plane oder überrede ich ab Ende Oktober alle zu einer großen Party.
Dieses Jahr wollte ich nur ganz gemütlich, romantisch,faul Essen gehen und wieder nach Hause und ein wenig Feuerwerk schauen. Also haben der Knutschi und ich im mehr oder weniger romantischen aber dafür kulinarisch solidem und leckerem Mirchi in Mitte reserviert. Wir haben uns ein wenig herausgeputzt und ich habe sogar ein wirklich schönes kobaltblaues Kleid zum ersten Mal an diesem Abend aus dem Schrank geholt.

Mit dem Knutschi ist es super, wir haben uns perfekt darauf eingespielt in Restaurants nicht zu viel zu bestellen, weil in der Regel läuft es bei mir so: Je größer der Hunger, desto weniger passt rein. Oder auch nicht. Der Kellner schien auf jeden Fall ziemlich enttäuscht, dass wir zwar drei Getränke für zwei Personen, aber nur eine Vorspeise für zwei Personen bestellten. Statt Hauptgericht nur noch eine Suppe, die wir auch nicht geschafft habe.
Trotzdem gingen wir kugelrund vom Essen und der Knutschi auch ein wenig kugelig von den ganzen Cocktails noch eine große Runde.Oranienburger, Friedrichstraße und dann am Wasser Richtung Monbijoupark. Dort ist wirklich schön. Es war fast magisch. Die Luft war klar und voller Feuerwerksgeruch. Weiter vorne hatte es sich ein Pärchen auf einer Bank gemütlich gemacht und ließ laut indische, romantische Musik laufen.

Neben uns die Spree, vor uns das Bodemuseum und dieses unglaubliche Licht, dass vom Himmel ausging, obwohl es schon Nacht war. Mit heißen Wangen und glühenden Herzen umhüllte uns beide das Gefühl definitiv am richtigen Ort zu sein. Und dann noch zusammen, dieser kleine Augenblick hat sich so wahr angefühlt. Es war wie eine Ausstellung zu besuchen und vor einem Bild zu stehen, dass man schon immer mal sehen wollte. Und dann sieht man es. Und ist nicht enttäuscht, sondern berührt. Tief im Herzen.
Genauso war es in diesem Moment. Und dann gab es einen Kuss. Nicht nur irgendeinen. So ein richtiger Hollywoodkuss. Also alle einmal im Takt nach hinten beugen. Für den Bruchteil einer Sekunde dachte mein vernünftiges Hirn: "Der Knutschi ist viel zu betrunken um hier nicht umzufallen." Dann schimpfte das Herz die Rationalität weg und dann gab es einen großen Plumps. In eine Pfütze voller Matsch. Der Knutschi fiel auf mich drauf und rollte mich beim abrollen dann noch einmal durch die braune Pampe. Der Matsch begnügte sich nicht nur mit meiner Jacke, auch Kleid, Strumpfhose, Schuhe und alles schön hinten...eigentlich wollte ich sauer sein und rumschimpfen und richtig viel meckern. Aber dann dachte ich an mein Glas mit Wörtern, dass der Knutschi mir damals im April überreicht hat. Und das er auf eines Schlammcatchen geschrieben hat. Und das er damals keine Ahnung hatte, dass es ihn auch betreffen könnte. Hat es aber. Ohne ihn würde es hier keine Wörter geben und ohne diese Wörter hätte ich gestern nicht eine Runde Schlammsachen gewaschen, mein Ellenbogen wäre noch heil. Ohne mein Glas voller Wörter hätte ich mich nach dem Schlammplumps nicht so schnell wieder gefangen. Ich war gezwungen etwas Gutes zu finden, weil all diese Wörter, die ein Spur legen noch um mich herumschwirren. Ich konnte den Moment auf verrückte Weise auskosten und wenn ich mich irgendwann in Jahren daran erinnere, werde ich daran denken, wie ich schimpft, dann kicherte und ich mich freute, als mir die Verbindung klar wurde. Und wie schön ein wunderbares Gemälde sein kann, wenn es voller Leben ist, selbst wenn es aus Schlamm gemalt wurde.

Winter Siebenschläfer

Ich hab bis um sieben Uhr geschlafen..  sollte hier ursprünglich stehen. Aber wer hätte es gedacht, nach all den Monaten voller Schlaflosigkeit, des um vier Uhr Aufwachens und nicht mehr schlafen können (ja, dass geht auch ohne Haustier und / oder Baby) ist mir diese Lösung verwehrt. Ich schlafe wieder. Ich schlafe wieder wie ein Murmeltier. Ungefähr so wie sich atmen nach dem Tauchen Unterwasser anfühlt. Gieriges, tiefes, glückliches einatmen und spüren, dass sich der Zustand verändert. So läuft das jetzt wieder mit dem Schlafen. Es ist absolut faszinierend, wie anders und fordernder sich die Welt anfühlt, ohne diese Schichten der Müdigkeit.

Dann wird halt Google bemüht. Neben einer Cocktailbar in Braunschweig fand ich noch einen Spieleverlag/Papeterie, der in Berlin sitzt und auch Fachhändler in der Hauptstadt beliefert. Einer von denen ist in Kreuzberg beheimatet und klang nach einem perfekten Expeditionsziel nach dem letzten Arbeitstag in diesem Jahr.
Ein letzter großer Spaziergang - these boots are made for walking. Und da ich am Freitag wirklich ausgeschlafen war, konnte ich alles um mich herum aufsaugen. Ich ging am SO 36 vorbei und schwelgte in feinsten Kiezbingo Erinnerungen, sah den Falafel Verkäufer, den Lieblingsbine und ich in der Mittagspause so gerne mal aufsuchen und ging einfach ganz in Ruhe. Ich bin gerne mal alleine unterwegs, weil die Gedanken, dann einfach mehr Platz oder Mut haben herauszukommen und durch die Abendluft zu fliegen. Ich hab mir vorgestellt, wo die anderen Leute hin wollen und was sie zum Abendessen kaufen. Hab mit jedem Schritt mein Jahr Revue passieren lassen und mir ausgeträumt wie wohl die 32-.jährige Diana sein wird. Dann kam ich in die Manteuffelstraße und war nicht mehr weit von meinem Expeditionziel Studio Oppermann entfernt, wo ich irgendwas von dem Siebenschläferspielzeug kaufen wollte, für mich, für meine Nichte oder fürs Büro.

Vor dem Laden stand ein neugieriger Mann. Er war alt und trug einen Hut und beugte sich sehr behutsam zum Schaufenster hin. Innerhalb von Sekunden war klar, dass ich hier nicht finden würde was ich suchte. Nicht weil er auch hier war, sondern weil er nicht hinein ging. Der Mann sah nicht aus, wie jemand der lieber von außen schaut, sondern eher wie jemand, der nicht das vorgefunden hat, was er sich erhofft hat. Ich wollte ihn damit nicht allein lassen, also hab ich mich mit einem Abstand, der ausreichend war um ein Gespräch zu verhindern, neben ihn gestellt und auch neugierig ins Schaufenster geschaut. So standen wir, zwei Suchenden vor einem Kleinkramladen und erst Mitte Februar, wenn die Umbauten in dem Geschäft abgeschlossen sein werden, wird sich das Geheimnis lüften, ob es dort meine Siebenschläfer Trophäe geben wird.

Macht aber nichts, ich kann warten. Ich bin dann die Straße weiter hinunter gegangen. Immer meiner Nase nach in Richtung eines roten Zeltes am Ende der Straße. Als ich dann Freitagabend, als um 17 Uhr schon alles dunkel war, am Wochenmarkt angekommen war, hatte ich dann tatsächlich das Gefühl auf einer Expedition zu sein und einen fremden, geheimnisvollen Ort gefunden zu haben. Dieses ganze fantastische Gemüse! Ich habs ein wenig mit Gemüsemärkten, da kriege ich immer ein warmes Gefühl im Bauch. Und nein: ich habe keine romantische Beziehung zu einem Bund Suppengrün. Nach diesem nahezu romantischen Marktspaziergang kam ich dann noch an einem Bibimbab Laden vorbei und mir war klar: Auch wenn ich jetzt nach Hause fahre, ich bin hier noch nicht fertig. Ich komm zurück und gehe den Weg nochmal und dann bring ich Hunger für koreanisches Essen und einen großen Beutel und Bargeld für den Gemüsekauf mit und schnappe mir meinen Siebenschläfer.

Donnerstag, 29. Dezember 2016

Winter: Almhütte

Irgendwie steckt die Bambiexpedition fest. Im Winter, im Wetter, meine dicke Hand im Glas.

Meine Bambi Expedition nimmt nun also eine kleine Abzweigung mit der *tatatatattatat* Winter Edition. Ein Glas voller Winterwörter, die mich hoffentlich durch den Winter bringen, mein Herz wärmen und die dunklen Tage leuchten lassen.

Ich hoffe diese Expedition ist erfolgreicher. Es wäre schön am Ende des Winters einen ganzen Stapel glücklicher und gelungener Missionen gemeistert zu haben und nicht ein trauriges, mit Zettel gefülltes unerfülltes Projekt im Wohnzimmerschrank einstauben sehen zu müssen.

Pünktlich zur Bescherung am 24.12. steht mein prall gefülltes Glas vor mir.

Meine erste Mission "Almhütte" stellt mich vor eine große Aufgabe. Wegfahren? Geht nicht - ich habe keinen Urlaub. Almrestaurant - keine Lust.
In der Mittagspause Spätzle, Käse und Röstzwiebeln essen? Gute Idee, falls mir gar nichts mehr einfällt (aka Jeder Plan hat einen Notfallplan):-) Mir ist dann aber doch noch eine Idee gekommen:

Traditionell gibt es immer eine Mittagspause auf dem Weihnachtsmarkt. Mit mindestens einem Glühwein und einem entsprechend dann sehr lustigen Restarbeitstag. Perfekt. Und da es in Berlin Vieles gibt, gibt es auch noch eine Art Weihnachtsmarkt nach Weihnachten am Potsdamer Platz mit kleinen Almhütten, Glühweinständen und Bratwürsten. Ich hab mir also meine Lieblingsbine geschnappt und sie war innerhalb von Sekunden begeistert vom Mittagspausen-Almhütten-Expeditionsplan.
Wir haben uns dann das Wetter (nieselig), die verrückten Menschen (viele) und die aktuelle Stimmung (irgendwo zwischen netflixsüchtig, Suppenkoma und Falschgeld) schön getrunken.
Nicht schön, eher machbar, durchhaltbar.
Diesen letzten Tagen dieses verdammt verdammt verdammtem Jahr, haben wir einfach Mittags um 12 Uhr mit warmen Glühwein im Bauch tief in die müden Augen geblickt.

Es gab so viele belanglose Jahre, die man am Jahresende nicht greifen kann, weil es keine Höhen, keine Tiefen und keine Einschnitte oder Errungenschaften gab.

2016 du hast mich berührt. Du bist anders.

Ich habe meine Freundinnen heiraten sehen,
bin vom 5 Meter Turm in einen See gesprungen,
dachte ich sterbe in einem Pool,
jemanden gefunden, der meinen Lieblingsfilm auf 35 mm im Kino mit schaut,
habe meine Vorliebe für Büffelmozzarella entdeckt,
mehr gearbeitet als gut für mich ist und in einen Abgrund geblickt,
ich war mutig und verzweifelt,
habe neue Menschen kennengelernt und andere verloren,
viel gelesen aber immer noch nicht genug,
gelernt, wie unangenehm es ist, wenn die Wohnung Stück für Stück auseinanderfällt,
habe gedacht, es hört niemals auf,
bin alleine nach London gefahren, und hab mich dort so ich selbst und so geborgen, wie schon lange nicht mehr gefühlt,
hab alles gegeben, um die Liebe festzuhalten,
bin immer noch voller Angst, dass der Paps operiert wird.

Ich habe dieses Jahr verflucht, wie sehr es mich gefordert und erschöpft hat, aber letztendlich kann ich jetzt klar und deutlich sehen: Alles wird irgendwann gut oder geht zumindest vorüber und wieviel Liebe, Freundschaft, Familie und großartige Leute um mich herum sind. Ja, 2016 war kacke, aber wenn wenigstens waren wir gemeinsam hier!