Montag, 2. Januar 2017

Winter Siebenschläfer

Ich hab bis um sieben Uhr geschlafen..  sollte hier ursprünglich stehen. Aber wer hätte es gedacht, nach all den Monaten voller Schlaflosigkeit, des um vier Uhr Aufwachens und nicht mehr schlafen können (ja, dass geht auch ohne Haustier und / oder Baby) ist mir diese Lösung verwehrt. Ich schlafe wieder. Ich schlafe wieder wie ein Murmeltier. Ungefähr so wie sich atmen nach dem Tauchen Unterwasser anfühlt. Gieriges, tiefes, glückliches einatmen und spüren, dass sich der Zustand verändert. So läuft das jetzt wieder mit dem Schlafen. Es ist absolut faszinierend, wie anders und fordernder sich die Welt anfühlt, ohne diese Schichten der Müdigkeit.

Dann wird halt Google bemüht. Neben einer Cocktailbar in Braunschweig fand ich noch einen Spieleverlag/Papeterie, der in Berlin sitzt und auch Fachhändler in der Hauptstadt beliefert. Einer von denen ist in Kreuzberg beheimatet und klang nach einem perfekten Expeditionsziel nach dem letzten Arbeitstag in diesem Jahr.
Ein letzter großer Spaziergang - these boots are made for walking. Und da ich am Freitag wirklich ausgeschlafen war, konnte ich alles um mich herum aufsaugen. Ich ging am SO 36 vorbei und schwelgte in feinsten Kiezbingo Erinnerungen, sah den Falafel Verkäufer, den Lieblingsbine und ich in der Mittagspause so gerne mal aufsuchen und ging einfach ganz in Ruhe. Ich bin gerne mal alleine unterwegs, weil die Gedanken, dann einfach mehr Platz oder Mut haben herauszukommen und durch die Abendluft zu fliegen. Ich hab mir vorgestellt, wo die anderen Leute hin wollen und was sie zum Abendessen kaufen. Hab mit jedem Schritt mein Jahr Revue passieren lassen und mir ausgeträumt wie wohl die 32-.jährige Diana sein wird. Dann kam ich in die Manteuffelstraße und war nicht mehr weit von meinem Expeditionziel Studio Oppermann entfernt, wo ich irgendwas von dem Siebenschläferspielzeug kaufen wollte, für mich, für meine Nichte oder fürs Büro.

Vor dem Laden stand ein neugieriger Mann. Er war alt und trug einen Hut und beugte sich sehr behutsam zum Schaufenster hin. Innerhalb von Sekunden war klar, dass ich hier nicht finden würde was ich suchte. Nicht weil er auch hier war, sondern weil er nicht hinein ging. Der Mann sah nicht aus, wie jemand der lieber von außen schaut, sondern eher wie jemand, der nicht das vorgefunden hat, was er sich erhofft hat. Ich wollte ihn damit nicht allein lassen, also hab ich mich mit einem Abstand, der ausreichend war um ein Gespräch zu verhindern, neben ihn gestellt und auch neugierig ins Schaufenster geschaut. So standen wir, zwei Suchenden vor einem Kleinkramladen und erst Mitte Februar, wenn die Umbauten in dem Geschäft abgeschlossen sein werden, wird sich das Geheimnis lüften, ob es dort meine Siebenschläfer Trophäe geben wird.

Macht aber nichts, ich kann warten. Ich bin dann die Straße weiter hinunter gegangen. Immer meiner Nase nach in Richtung eines roten Zeltes am Ende der Straße. Als ich dann Freitagabend, als um 17 Uhr schon alles dunkel war, am Wochenmarkt angekommen war, hatte ich dann tatsächlich das Gefühl auf einer Expedition zu sein und einen fremden, geheimnisvollen Ort gefunden zu haben. Dieses ganze fantastische Gemüse! Ich habs ein wenig mit Gemüsemärkten, da kriege ich immer ein warmes Gefühl im Bauch. Und nein: ich habe keine romantische Beziehung zu einem Bund Suppengrün. Nach diesem nahezu romantischen Marktspaziergang kam ich dann noch an einem Bibimbab Laden vorbei und mir war klar: Auch wenn ich jetzt nach Hause fahre, ich bin hier noch nicht fertig. Ich komm zurück und gehe den Weg nochmal und dann bring ich Hunger für koreanisches Essen und einen großen Beutel und Bargeld für den Gemüsekauf mit und schnappe mir meinen Siebenschläfer.

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