Sonntag, 6. März 2016

15 - Würfelzucker

Einmal kurz zucken und nach dem nächsten Zettel greifen. Es kommt mir vor, als wären es schon so so so viele gewesen, obwohl das gar nicht stimmt. Und als ich diesmal in mein Glas greife, in dem in dessen vorherigen Leben grüne Bohnen im Kaufland verkauft wurden, schien es kurz als wären alle Wörter auf der ganzen weiten Welt aufgebraucht. Irrtum. Die nächste Station meines Abenteuers verlangt nach Würfelzucker. Mittlerweile mag ich das nachdenken und knobeln. Es fühlt sich beinahe so an, als wenn all meine Wörter mich an einen ganz bestimmten Ort lotsen könnten.

Bei Würfelzucker muss ich ganz arg an meine Oma denken. Ich weiss noch genau wie fasziniert ich als Kind von ihrem Würfelzucker war. Der war nicht quadratisch, dürfte also gar nicht so heißen, sondern PIK-HERZ und KARO geformt und leicht farbig. Ich hab mir manchmal wenn die "Erwachsenen" zu sehr ihren Kaffee gerührt haben, eins in den Mund gesteckt. Schmeckte irgendwie nach noch mehr als Zucker. Naja, da ich also schon ausreichend und tiefgehende Erfahrungen im Zucker essen habe und auch keinen in meinem Kaffee mag, brauchte ich dringend einen Geistesblitz - und siehe da..der schlägt sogar mehr als einmal an der gleichen Stelle ein.

Absinth wird mit Würfelzucker getrunken! Und DANKE, dass in Berlin an mehreren Ecken welche zu finden sind- so konnte ich ganz locker nach dem Teamabend am Freitag noch einen kleinen Umweg machen. Ob das nun sinnvoll ist nach einer anständigen Portion Wein noch eine kleine Portion Absinth aufzuschütten? Absinth auf Wein - geht noch rein!  Die Frage fällt dann wohl in die Kategorie mit Fragen, die man sich erst hinterher stellt. Nach zwei mal vom Heimweg abbiegen erreichte ich mein Ziel und sammelte meinen ganzen Mut zusammen, um an einem Freitag Abend gegen 23 Uhr allein durch eine Tür in eine volle Bar zu gehen.
Mein Zettelgott war gnädig und an der Bar war glücklicherweise am Rand ein Plätzchen für mich frei und Plätze daneben nur durch desinteressierte Engländer belegt, die definitiv nicht so aussahen, als wenn die mich bemerkten. Im Gegensatz zum Barkeeper, mit dem durch die Mindestkommunikations aus: Zettel, Würfelzucker, brennt und "ich hab zehn Euro" die Bedingungen für das Erreichen meines nächsten Checkpunktes auf meiner Expedition geklärt wurden. Zehn Euro gegen ein halbvolles Glas Getränk plus dem sehnsüchtig und tapfer fü mich brennenden Würfelzucker plus einen kleinen Becher Wasser, den man da wohl irgendwie reinkippt ohne zu löschen :-) Keine Ahnung :-) Eine Runde umrühren und dann in kleinen, betrunken machenden Schlucken trinken.


Was ich auf jeden Fall mitnehme: Alleine in einer Bar ist man wirklich alleine. Die romantische Vorstellung ganz mit sich dort zu sitzen und gemütlich was zu süffeln, ist verpufft. Es war nicht schlimm und ich hab mich auch nicht wie ein Fremdkörper gefühlt, aber es hat mich einfach weniger fasziniert als ich dachte. Und was ich auf jeden Fall nicht mitgenommen habe: meinen Pullover... den hab ich nämlich ausgezogen, weil mir endlich mal warm war. Der liegt jetzt immer noch im Absinth Rausch Nähe Eberswalder Straße. Absinth macht halt doch verrückt - ich vergesse sonst nie was... :-)

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